„Die Rahmenbedingungen für die Schulentwicklungsplanung in Sindelfingen sind von vielen Faktoren abhängig, auf die die Kommune keinerlei Einfluss hat.“ Dies war das Fazit eines Vortrages, den Horst Zecha, Leiter des Kultur- und Schulamtes der Stadt Sindelfingen, im Rahmen der vom Stadtverband der CDU veranstalteten Sindelfinger Runde am vor einem interessierten Publikum hielt.

Die kommunale Schulentwicklung müsse immer wieder auf demographische und gesellschaftliche Entwicklungen reagieren, auf die sie selbst keinen Einfluss habe. Und auch Bildungsentscheidungen des Landes, Entwicklungsüberlegungen der Schulen selbst und natürlich die finanzielle Ausstattung der Kommunen führten dazu, dass wesentliche Entscheidungen der Schulentwicklung von anderen Stellen getroffen würden.

Zu den schulpolitischen Entwicklungen der letzten 5 bis 6 Jahre zählte Zecha beispielhaft die Stärkung der Schulautonomie auf, die Einführung von G8 an den Gymnasien, der verstärkte Ausbau von Ganztagesschulen, die Inklusion, sowie die Einführung der Werkrealschule. Hinzu komme ganz aktuell die Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung, die zu einem erheblichen Rückgang der Anmeldungen bei den Hauptschulen und Werkrealschulen geführt habe. Weitere schulpolitische Entwicklungen seien die Gemeinschaftsschule, die Förderung der Schulsozialarbeit und die verstärkte Nachfrage nach Schülerbetreuung.

Sindelfingen verfüge, so Horst Zecha, aktuell über 18 Schulen. 12,9 % der Schüler gehen auf die Hauptschule und die Werkrealschule, 30,4 % auf die Realschule und 56,7 % auf die Gymnasien. „Aufgrund der Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlungen sind die Anmeldungen an den Werkrealschulen und der Hauptschule erheblich zurückgegangen, teilweise um über 70 %. Auch bei den Realschulen ist insgesamt eine Abnahme der Anmeldungen um ca. 20 % festzustellen, während an den Gymnasien die Anmeldezahlen annähernd gleich geblieben sind“ so der Schulamtsleiter der Stadt Sindelfingen. Die demographische Entwicklung sei in Sindelfingen aufgrund der hervorragenden Arbeitsmarktsituation nicht so stark wie in anderen Kommunen. Dennoch werde man auf zurückgehende Schülerzahlen bei der kommunalen Schulentwicklung reagieren müssen. So sei der Beschluss, mit der Klostergartenschule eine Hauptschule zu schließen, nach wie vor richtig. Aus schulpolitischer und sozialpolitischer Sicht gelte dies trotz der Kostensteigerung bei Sanierung und Umbau der Gebäude auch für den Umzug der Realschule Eschenried in die Räume der Klostergartenschule, da mit einer Realschule der Schulstandort Innenstadt nachhaltig gesichert werden könne.

Bei den Grundschulen spricht sich Horst Zecha für eine Beibehaltung der Standorte in Wohnortnähe aus. Bei den Werkrealschule und den Hauptschulen werde man aber fragen müssen, ob diese Schulen noch eine Zukunft haben und wie die Weiterentwicklungsmöglichkeiten aussehen wurden. Hier seien auch Kooperationen mit anderen Schulen denkbar. An der Eichholzschule seien die Anmeldezahlen aufgrund der Ankündigung einer Umwandlung der bisherigen Werkrealschule in eine Gemeinschaftsschule weniger stark zurückgegangen als an den Werkrealschulen.  Auch diese Entwicklung müsse man zur Kenntnis nehmen.

Eine weitere Entwicklung n allen Sindelfinger Schulen gehe ganz eindeutig zu mehr Ganztagsschulen, und dies führe auch bei den Gymnasien zu einem erhöhten Betreuungsbedarf. Ein weiteres wichtiges Thema sei die Inklusion, für die die Rahmenbedingungen geklärt werden müssten. Die Frage, wie Kinder aus Förderschulen in weiterführenden Schulen unterrichtet werden können, sei aus Sicht der Stadt noch nicht hinreichend geklärt und auch nur schwer abzuschätzen. Bei der Schulsozialarbeit werde ein bedarfsgerechter Ausbau erforderlich sein und auch der altersbedingte Sanierungsbedarf der Gebäude werde die Gemeinde vor große Aufgaben stellen.

„Grundsätzlich sollen für die Schulen die verschiedenen Betreuungsmodule, nämlich die Hortbetreuung, die flexible Nachmittagsbetreuung und die Ganztagesschule beibehalten werden. Verschiedene Bausteine, die einander ergänzen können“, meint Horst Zecha. Gerade aber auch bei den Grundschulen müssten weitere Betreuungsmöglichkeiten auch in den Ferien geschaffen werden und das Angebot von Mittagessen müsse weiter individuell und bedarfsgerecht erweitert werden. „Wenn Sie allerdings 10 Eltern fragen, so erhalten Sie 10 verschiedene Vorstellungen von Betreuung, von Betreuungsarten, und von dem, was die Schulentwicklungsplanung leisten soll“ , so Horst Zecha. Deswegen müssten auch weiterhin Angebote für eine qualitativ hochwertige, aber auch teurere Hortbetreuung gemacht werden.

„Die Schulentwicklung ist ein dynamischer Prozess. In immer kürzeren Zeiträumen müssen Entscheidungen getroffen werden, ohne die Rahmenbedingungen ausreichend prüfen zu können, weil das Kultusministerium das Rad gerne neu erfindet und durch schlampige Arbeit Schulen und Kommunen im Regen stehen lässt“ fasste der Sindelfinger CDU-Vorsitzende die angeregte Diskussion, die sich an den Vortrag Horst Zechas anschloss, zusammen. „Wir fordern von der Landespolitik, dass unabhängig von Regierungsmehrheiten mehr Verlässlichkeit in der Bildungspolitik einkehrt und nicht alle Paar Monate eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird. Das Land muss für die Ausbau- und Betriebskosten neuer Schulformen wie der Gemeinschaftsschule aufkommen und darf die Kosten nicht auf die Kommunen abwälzen“, so Riesch. Der Gemeinschaftsschule stünde man als Schulform seitens der CDU weiterhin kritisch gegenüber. Man werde aber nicht damit anfangen, auf der kommunalpolitischen Ebene landespolitische Schlachten zu schlagen.  „Wir fordern allerdings, dass die Haupt- und Werkrealschulen eine echte Entscheidungsfreiheit seitens des Landes bekommen und alternative Entwicklungsmöglichkeiten, wie Kooperationsmodelle nicht vom Land verhindert werden dürfen“, forderte Riesch. Von der Stadt Sindelfingen erwarte die CDU, dass sie weiterhin eine bedarfsorientierte Schulentwicklungsplanung betreibe. Es gelte vor allem, die Zusammenarbeit des Baudezernates mit dem Kultur- und Schulamt zu verbessern, um böse Überraschungen, wie die extremen Kostensteigerungen bei Sanierung und Umbau der Klostergartenschule zur Realschule künftig auszuschließen.